Interview mit dem Designer des neuen Deutschland-Trikots: „Dieses Design ist nicht für Langweiler und Zweifler“

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Das neue DFB Deutschland-Trikot 2014 polarisiert. Für die einen verkörpert das neue Design Emotion und Innovation, für die anderen ist der Verlust von schwarz-rot-goldenen Stil-Elementen sowie der schwarzen Hose eine Abkehr von „deutschen Tugenden“.

Was würde also näher liegen als einmal die Person zu fragen, die sich das Design für das neue Deutschlandtrikot 2014 ausgedacht hat. Jürgen Rank ist sein Name, er arbeitet für Adidas und er stand zusammen mit seinem Design-Kollegen Christian Binger für einige Fragen zum neuen Deutschlandtrikot zur Verfügung.

Was hat euch während der Entwicklung des DFB-Trikots inspiriert und wie setzt ihr Eure Ideen um?

Christian: Am Anfang haben wir nach Antworten auf die zentrale Frage gesucht: „Was möchte die deutsche Nationalmannschaft verkörpern, wenn Sie dieses Trikot überstreift?“ Oder in der Kurzfassung: „Für was steht sie eigentlich?“

Jürgen: Für uns war schnell klar, dass es mehr als ein Fußball-Trikot sein muss. Wir veränderten unsere Wahrnehmung der Weltmeisterschaft hin zur „EXPO des Sports“. Sie ist die ultimative Plattform auf der sich nicht nur die Teams selbst, sondern auch die Fangemeinschaften der Länder präsentieren. „Was genau sollte Deutschland also nach Brasilien tragen? Wofür steht das deutsche Team?“

Klingt interessant, habt ihr denn die Antwort gefunden?

Christian: Sicherlich. Aber erstmal kamen uns immer noch mehr Fragen. „Wer und wie sind wir Deutschen eigentlich?“ Also haben wir mit Mikrofonen und Kameras bewaffnet das Büro verlassen und junge Leute in ganz Deutschland zu ihren Meinungen und Vorstellungen befragt. Wir haben uns mit Teenagern und jungen Nationalspielern getroffen. Darüber hinaus haben wir z.B. auch eine Universität besucht, um deren Experten zur Entwicklung der deutschen Identität zu befragen.

Also raus mit der Sprache, was macht die Deutschen aus?

Jürgen: Eine Sache hat sich sehr schnell herauskristallisiert: Die Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2006 hat das Land in seiner Selbst- und Fremdwahrnehmung komplett verändert. Fast alle unserer Gesprächspartner identifizierten die WM 2006 als Wendepunkt.

Die meisten bewerten sie als Neuanfang, als neuen Ansatz mit den deutschen Farben umzugehen, als Auslöser eines neuen Selbstwertgefühls, allerdings ohne dabei Super-Deutsch zu sein. Es geht um das Gefühl, das die Athleten auf dem Platz vereint.
Das gilt übrigens auch für mich selbst. Vor der Weltmeisterschaft im Jahr 2006 hätte ich mich als Designer nie getraut, ein riesiges „DANKE DEUTSCHLAND“ auf einem T-Shirt zu platzieren. Nach dem Turnier fühlte es sich wie die logische Konsequenz des Sommermärchens an und schien vielen Menschen aus der Seele zu sprechen. Wen hat es damals schon gekümmert, dass wir nur Dritter wurden? Wir haben trotzdem gefeiert, und zwar mehr als jemals zuvor. Wir alle brachten zum Ausdruck wie sehr sich unser Land gewandelt hat.

Welche Werte stecken im neuen Fußball-Dress?

Jürgen: Die Werte, auf die wir uns fokussiert haben, werden der deutschen Nationalmannschaft und dem ‚neuen‘ Deutschland gleichermaßen gerecht. Wir spiegeln die Leidenschaft für das Spiel, Selbstbewusstsein und hohes Qualitätsdenken wider.

Die Brustgrafik symbolisiert das deutsche Selbstbewusstsein und interpretiert die deutsche Flagge in Rottönen, welche für unaufhaltsame Energie stehen, die vom Team und der neuen Generation Spieler abstrahlt.

Die Linien der Grafik stellen Integration und Teamwork sowie die verschiedenen kulturellen Hintergründe und Erfahrungen der Spieler dar. Gleichzeitig gilt diese Symbolik aber natürlich auch für all die Menschen in diesem Land, egal woher sie kommen.

Das edle Verbands-Emblem auf der Brust signalisiert hohe Qualität, welche sich ja auch im innovativen Spiel von Löws Truppe und der typisch deutschen Liebe zu Details und Präzision ausdrückt.

Und die Liebe zum Spiel?

Christian: …wird durch das erfrischenste Element des neuen Outfits betont. Die Brustgrafik verleiht dem Team bildlich Flügel und inspiriert die Leichtigkeit jedes Spielers. Die weißen Hosen vollenden das Gesamtbild, das ein Statement von Klasse, Eleganz und purer Leidenschaft ist.

Aber bricht das nicht mit der deutschen Tradition?

Christian: Ganz und gar nicht! Das deutsche Team trug schon bei den Weltmeisterschaften 1970 und 1974 weiß-weiße Kombinationen. 1974 wurden wir bekanntlich Weltmeister. Weiß ist also weniger ein Traditionsbruch als ein gutes Omen.

Eine letzte Frage: Muss das Design jedem gefallen?

Jürgen: Es ist ein mutiges und junges Design und spätestens wenn man die Spieler als Team aus dem Tunnel kommen sieht, wird man verstehen: dieses Design ist nicht für Langweiler und Zweifler. Es ist für Leute, die all ihre Energie einsetzen wollen um etwas zu bewegen. Ich würde sagen: nein, nicht jeder muss das neue Design toll finden. Es ist für Fans mit viel Leidenschaft gedacht. Und ich glaube von dieser Sorte gibt es in Deutschland jede Menge.

Jürgen und Christian, danke für das Interview!

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(via: adidas)

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